Weckruf eines Intensivmediziners

Der Berliner Oberarzt Daniel Zickler fordert in seinem Buch „Kampf um jeden Atemzug“ bessere Bedingungen für Intensivstationen – Vorgestellt wurde das im Bonifatius-Verlag erschienene Buch zusammen mit Katrin Göring Eckardt am 27. April im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin

Mit seinem Buch „Kampf um jeden Atemzug“ will der Berliner Charité-Oberarzt Daniel Zickler (42) aufrütteln. Er fordert bessere Bedingungen für Intensivstationen. Das Buch handelt von der Intensivmedizin in Deutschland – davon, wie der Klinikalltag seines Teams aussieht, wie die Belastung steigt und die Qualität auf den Intensivstationen zugleich „erodiert“. Das im Paderborner Bonifatius Verlag erschienene Buch wurde am Mittwoch von dem Internisten und Nephrologen und von der Vizepräsidentin des Bundestags, Katrin Göring-Eckardt, im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt.

Autor Dr. Daniel Zickler, Katrin Göring-Eckardt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, und Programmleiter Stefan Rüth

Der Autor und Arzt erzählt darin vom Alltag während der Coronapandemie auf der Intensivstation 43i im Virchow-Klinikum der Charité, einer der führenden Intensivstationen Deutschlands. Er beschreibt die Personalnot in der Intensivmedizin und angesichts der hohen Arbeitsbelastung die Abwanderung von Medizinern und Pflegefachkräften. „Ja, es ist ein Kampf, es ist mental und körperlich anstrengend“, berichtet Zickler, der während der Coronapandemie auch durch die viel beachtete TV-Dokumentation „Charité intensiv“ bekannt geworden ist. Daniel Zickler will mit dem Buch Analysen, Diagnosen und Lösungsansätze bieten, was verändert werden muss, um die zunehmende Abwanderung von Fachkräften aus der Intensivmedizin zu stoppen.

Darin geht er auch auf verschiedene Fälle von Patienten näher ein. Er beschreibt beispielsweise, was er Angehörigen sagt, wenn auf seiner Station ein Mensch verstirbt. Insbesondere belasten den Oberarzt „die strukturellen und organisatorischen Probleme des Systems“, die es ihm und seinem Team erschweren, die Arbeit so zu machen, wie sie es am besten könnten. „Wir wollen Qualität einhalten, werden daran aber immer mehr gehindert und dazu gedrängt, Quantität abzuliefern“, schreibt Zickler und hält außerdem fest: „Das aktuelle System des Erwirtschaftens von Geldern, die nötig sind, um die Kosten zu decken, setzt falsche Anreize und sollte für die Intensivstationen überdacht werden.“

Zickler weiß, dass das Personal in der Intensivmedizin „kaputt“, „müde“ und „frustriert“ ist und dass der Personal- und Ressourcenmangel allen zusetzt – sowohl den Ärzten als der Pflege. Die Coronapandemie habe zwar den Fokus auf die Intensivmedizin gelenkt und ihr damit eine öffentliche Basis gegeben. Allerdings habe sie die schwierigen Zustände, die es schon vorher gab, weiter verschärft, schreibt Zickler. „Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stoßen an ihre Grenzen oder haben für sich bereits eine Konsequenz gezogen.“

Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Katrin Göring-Eckardt, hat zu Zicklers Buch ein Vorwort geschrieben. Darin lobt sie den Charité-Arzt: Man könne aus seinem Buch „keine Bitterkeit herauslesen, wohl aber empathische Erzählungen und eindringliche Beispiele aus dem Alltag eines begeisterten Arztes, der bei aller Erschöpfung nicht an seiner Profession zweifelt.“

Im Buch nennt Zickler auch sieben konkrete Forderungen, was sich in der Intensivmedizin verändern muss. Dazu zählten eine Reduzierung der Arbeitsbelastung, weniger Kostendruck, verbesserte Abläufe, Möglichkeiten zur freien Entfaltung von Intensivkräften, mehr Wertschätzung sowie weniger Intensivstationen.

„Anhand von ergreifenden Fallgeschichten und Erfahrungsberichten beschreibt Daniel Zickler die Hoffnungen, Erwartungen und Wünsche von Patienten sowie Ärzten und Pflegern. Sein Buch „Kampf um jeden Atemzug“ ist ein authentischer Insiderbericht, der zugleich Politik und Gesellschaft zum Nachdenken über aktuelle Problemfelder in der Intensivmedizin auffordert“, sagt der Programmleiter des Bonifatius-Verlags, Stefan Rüth.

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