27.02.2018: Potentielle CDU-Minister vorgestellt

Die Rückkehr der Katholiken?

Nachdem im letzten Bundeskabinett Peter Altmaier der einzige Katholik auf Seiten der CDU-Riege war, könnte sich das Verhältnis in einer neuen großen Koalition quasi umdrehen.

(KNA/Bonifatius) Zwar gab es in der letzten Regierung mit Andrea Nahles, Barbara Hendricks und Heiko Maas drei katholische MinisterInnen, sie kamen aber alle aus den Reihen der SPD. Bis auf Peter Altmaier waren die CDU-MinisterInnen alle evangelisch, namentlich Angela Merkel, Johanna Wanka, Ursula von der Leyen, Hermann Gröhe, Wolfgang Schäuble und Thomas de Maiziere. Das künftige Kabinett könnte auf CDU-Seite nun nahezu besetzt sein, denn mit Altmaier, Julia Klöckner, Anja Karliczek, Helge Braun und Jens Spahn wären alle Mitglieder mit Ausnahme der Kanzlerin und Ursula von der Leyen Katholiken.

Da stellt sich die Frage, ob die Konfession signifikante Auswirkungen auf die Arbeit und Entscheidungen in der Politik hat. Wie beeinflusst der persönliche Glaube das politische Handeln?

Dass ihnen Glaube wichtig sei, betonen so gut wie alle. Ex-Ministrant Altmaier erzählte kürzlich in einem "Bunte"-Interview, wie wichtig ihm Religion sei, "weil christliche Werte für mich ein starkes Fundament sind". Für Jens Spahn sind Glaube und Kirche "aus mir und meinem Leben nicht wegzudenken". Der "Tagespost" sagte er außerdem, er habe seine christliche Prägung "mit der Muttermilch" aufgesogen. Auf der anderen Seite ist Spahn, der in einer homosexuellen Beziehung lebt und kürzlich geheiratet hat, klar für die "Ehe für alle" - anders als Karliczek und andere. Klöckner warf kürzlich den Kirchen vor, sich zu sehr in die Politik einzumischen. Gerade in der Flüchtlingspolitik liegen sie und Spahn, um nur zwei Beispiele zu nennen, keineswegs auf einer Wellenlänge mit den Kardinälen Marx und Woelki und der Mehrheit der Bischöfe.

Eindeutiger ist - soweit bekannt - die Positionierung der künftigen Kabinetts-Katholiken in anderen Debatten: So sind sie durch die (Regierungs-)Bank gegen eine Liberalisierung der Suizidbeihilfe und gegen Änderungen beim Werbeverbot für Abtreibungen.

Wie sie sich künftig verhalten und wie sehr katholisch mit konservativ einhergehen wird, ist ebenso wenig abzusehen wie die Frage, ob die GroKo überhaupt zustande kommt. Und die Neujustierung der Konfessionen am Kabinettstisch lässt sich natürlich auch anders deuten: Vielleicht spielt die Frage nach evangelisch oder katholisch heute einfach keine große Rolle mehr bei politischen Personalentscheidungen - jedenfalls im Vergleich zu Alter und Geschlecht.


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